Geschichte von Dean Wilton

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Geschichte von Dean Wilton

Beitrag  Gast am Mo 4 Jul - 1:46

6. Learchos 361

Die Flucht


Langsam betrat er den Landeplatz vor der Stadt. Vor ihm lag das neue Schiff, auf dem er als Pilot angeheuert hatte. Ein kleiner Transporter namens Corsos, Dragonfly-Klasse. Er sah ziemlich schäbig aus, und nach dem Akzent des Captains zu schließen, war er nicht gerade aus dieser Ecke der Galaxie. Hauptsache er konnte Mormoa und seine staubigen Böden, die ständige Not und die Verfolgung hinter sich lassen. Er zog den Umhang enger um seinen Oberkörper, als er Schreie hörte. Er sah sich um, und seine Augen weiteten sich mit Entsetzen. Hatten sie ihn nun doch gefunden? Mindestens zehn Leute in Allianzuniform stürmten den Landeplatz. Langsam lies er seine Tasche zu Boden gleiten. Gegen so viele Allianzler hatte er alleine keine Chance. Hier fing alles an, und hier würde es enden. Aber er würde ihnen einen guten Kampf liefern. Seine Hand ruhte ruhig auf seiner Pistole, als er den Uniformierten entgegen blickte. Sie liefen auf ihn zu, mit erhobenen Waffen. Gerade wollte er seine Waffe ziehen, als sie wütend in seine Richtung schrien „Aus dem Weg, mach dass du weg kommst“. Verwirrt starrte er die Allianzler an, als sie ihn schon zur Seite rempelten. Die Soldaten verteilten sich um den ganzen Landeplatz und fluchten. Er beobachtete kurz dieses Schauspiel, hob dann seine Tasche auf und lief schnell zur Luke der Corsos. Wenn sie ihn nicht suchten, wollte er auch nicht weiter auffallen. Etwas von der Corsos entfernt stand ein fluchender Offizier, und brüllte in sein Funkgerät. Er musterte den Soldaten kurz mit Abscheu, und huschte dann in den Frachtraum. Schnell ging er die Treppen des Frachters nach oben, und klopfte schlussendlich an die Tür des Captains. Ein relativ alter Mann öffnete ihm, dessen Kleidung dringend eine Waschmaschine und dessen Gesicht dringend eine Rasierklinge bräuchte. „Du bist der Pilot?“
„Ja Sir. Andrew McCormin.“ Er verbeugte sich vor dem Captain, der ihn misstrauisch musterte. Dann zeigte der alte Mann einige Türen weiter.
„Da is die Brücke. Mach dich vertraut mit den Konsolen. Die Dame hier hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Ich hoffe du hast damit kein Problem.“
„Nein Sir. Auf keinen Fall.“
Andrew blickte zur Brücke und ging langsam auf sie zu. Das Schiff war allgemein in einem miserablen zustand, die Tür zur Brücke hing nur noch lustlos in den Angeln. Langsam öffnete er die Tür, hinter der sich lediglich zwei Konsolen und ein riesiger, rauchender Bodybuilder befanden.
Nach einem kurzen Einführungsgespräch des Bodybuilders stürmte der Captain auf die Brücke.
„Wir hauen ab. So viel Allianz da draußen ist mir gar nicht geheuer. Die suchen sicher nach irgendwem oder irgendwas. Kurs auf H068.“
Andrew nickt nur, berechnete den Kurs, und hob wenig später mit der Corsos von Mormoa ab. Endlich konnte er sein altes Leben hinter sich lassen. Nie wieder musste er nach M099-P4 zurückkehren. Nie wieder. Er wollte vor Freude am liebsten schreien. Doch der Captain und der Bodybuilder musterten ihn bereits wegen seines doofen Grinsens. Da wäre schreien vielleicht zu viel des Guten gewesen.

Etwas später, als der Captain selbst das Steuer übernahm, damit Andrew das Schiff kennen lernen konnte, verlies er sein Quartier, um in den Trainingsraum zu gehen. Dieser lag auf der untersten Ebene, neben dem Maschinenraum, dessen Geräusche ihm etwas Angst machen. So sollte sich definitiv kein gesundes Schiff anhören. Langsam betrat er den Trainingsraum, der den Namen nicht verdient hätte. Von der Decke hing ein bereits zu oft geflickter Boxsack, in der Ecke stand eine Hantelbank mit Gewichten aus dem vorigen Jahrhundert. Er seufzte und wickelte sich langsam die Bandagen um die Hand. Naja. Es war besser als gar nichts. Er fing an auf den Boxsack einzuschlagen. Er dachte zurück an seine Familie, und seine Karriere, die er auf Mormoa hätte machen können. War das die richtige Entscheidung gewesen? Ja. Definitiv. Mit einem wuchtigen Schlag schleuderte er den Boxsack davon, der sofort auf ihn zurück prallte, und ihn unsanft zu Boden beförderte. Andrew stöhnte auf, und blickte neben sich. Blut. Frisches Blut. Er tastete sich ab, konnte aber keine Wunde entdecken. Verwirrt stand er auf, als er einige Meter weiter noch mehr Blut entdeckte. Verwirrt folgte er der Blutspur bis zu einer Tür, auf der in großen Lettern „Ersatzteillager“ geschrieben stand. Unter der Tür sickerte ein kleines rotes Rinnsal hervor. Nervös sah er sich um, bis er schließlich angespannt die Tür aufriss. Als ein Körper aus der Kammer direkt auf seine Füße kippte, lies er einen lauten Schrei von sich. Der Mann vor ihm stöhnte auf. Aus einer Wunde an seinem Oberarm tropfte unentwegt Blut. Für einige Momente stand Andrew unschlüssig da, dann griff er sich an seine Funke und forderte Sanitäter an. Langsam ging er in die Knie um dem Mann ins Gesicht sehen zu können.
„Hey... hey, kannst du mich hören?“
Der Mann gab ihm ein leichtes Stöhnen zur Antwort. Hinter sich hörte Andrew, wie der Schiffsarzt die Treppe herunter trampelte. Der Typ vor ihm sah nicht wirklich aus, als wüsste er, wo er war. Vorsichtig versuchte Andrew ihn ein weiteres Mal anzusprechen.
„Hey.... kannst du mich hören? Ich bin Andrew. Weißt du wo du bist? Wie heißt du?“
Der Arzt kam in den Trainingsraum gelaufen, als der Verletzte ein paar Wörter durch die zusammen gebissenen Zähne presste.
„D..dean. Dean Wi...“
Dann drängte der Arzt Andrew unsanft zur Seite, und der Verletzte schloss langsam seine Augen.

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